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Legionellen im Trinkwasser: Gefahr beim Duschen, Grenzwerte und wann ein Test sinnvoll ist

Legionellen vermehren sich im warmen Leitungswasser und werden beim Duschen gefährlich. Was der Maßnahmenwert von 100 KBE/100 ml bedeutet, wer prüfen muss und wann ein Test sinnvoll ist

10. September 2026
4 Min. Lesezeit
Legionellen im Trinkwasser: Gefahr beim Duschen, Grenzwerte und wann ein Test sinnvoll ist

Legionellen gehören zu den am besten untersuchten Krankheitserregern im Trinkwasser – und zu den wenigen, bei denen nicht das Trinken, sondern das Einatmen das Risiko darstellt. Dieser Beitrag erklärt sachlich, was Legionellen sind, warum sie vor allem in der Dusche relevant werden, welche Grenzwerte gelten und wann eine Untersuchung sinnvoll oder sogar Pflicht ist.

Was sind Legionellen?

Legionellen sind natürlicherweise im Wasser vorkommende Bakterien. In geringer Zahl sind sie im Grundwasser und in Oberflächengewässern normal und unbedenklich. Zum Problem werden sie erst, wenn sie sich in Trinkwasser-Installationen stark vermehren – etwa in Warmwasserspeichern, selten genutzten Leitungssträngen oder schlecht gedämmten Rohren. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist die Art Legionella pneumophila der häufigste Auslöser von Erkrankungen.

Warum das Duschen das eigentliche Risiko ist

Eine Infektion entsteht nicht durch das Trinken von legionellenhaltigem Wasser, sondern durch das Einatmen feiner, erregerhaltiger Wassertröpfchen (Aerosole) – wie sie beim Duschen, in Whirlpools oder an Klimaanlagen entstehen. Das RKI beschreibt zwei Krankheitsbilder: die schwere Legionellen-Pneumonie (eine Lungenentzündung) und das mildere, grippeähnliche Pontiac-Fieber. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Raucher und Personen mit geschwächtem Immunsystem.

Die entscheidende Temperatur

Legionellen vermehren sich bevorzugt im lauwarmen Bereich zwischen etwa 25 und 45 °C. Deshalb empfehlen die technischen Regeln und Gesundheitsbehörden, Warmwasser so zu betreiben, dass am Austritt des Warmwasserbereiters dauerhaft mindestens 60 °C erreicht werden und in Zirkulationssystemen 55 °C nicht unterschritten werden. Wer längere Zeit abwesend war, sollte Leitungen vor der Nutzung gründlich spülen, da Stagnation das Wachstum begünstigt.

Der Grenzwert: 100 KBE/100 ml

Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) legt für Legionellen einen technischen Maßnahmenwert von 100 koloniebildenden Einheiten (KBE) pro 100 ml fest (Anlage 3). Wird dieser Wert in einer untersuchungspflichtigen Installation erreicht, bestehen Anzeige- und Handlungspflichten gegenüber dem Gesundheitsamt, und die Ursache muss ermittelt und behoben werden. Das Bundesgesundheitsministerium weist darauf hin, dass dieser Wert bei Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik in der Regel nicht erreicht wird.

Wer ist zur Prüfung verpflichtet?

Nach der TrinkwV müssen Betreiber von Trinkwasser-Großanlagen (typisch: Mehrfamilienhäuser mit zentraler Warmwasserbereitung, aus denen Wasser vernebelt wird) das Wasser regelmäßig auf Legionellen untersuchen lassen – in der Regel alle drei Jahre für vermietete Anlagen. Für rechtsverbindliche Ergebnisse ist dabei eine Probenahme durch eine akkreditierte Stelle erforderlich. Eigentümer selbstgenutzter Ein- und Zweifamilienhäuser sind nicht untersuchungspflichtig, können ihr Warmwasser aber freiwillig prüfen lassen – etwa, wenn empfindliche Personen im Haushalt leben.

Wann eine Untersuchung sinnvoll ist

  • Nach längerer Abwesenheit oder in selten genutzten Leitungen (Zweitwohnung, Ferienhaus)

  • Nach Sanierungen oder längerem Leerstand

  • Wenn die Warmwassertemperatur aus Energiespargründen abgesenkt wurde

  • Bei empfindlichen Personen (Immungeschwächte, Ältere, Säuglinge) im Haushalt

🔬 Nerd-Fact – Legionellen verstecken sich in anderen Lebewesen Legionellen wurden erst 1976 entdeckt, nach einem rätselhaften Lungenentzündungs-Ausbruch bei einem Veteranentreffen der „American Legion" in Philadelphia – daher der Name. Das Faszinierende: Legionellen vermehren sich bevorzugt innerhalb von Amöben – also in anderen Einzellern, die in Biofilmen von Leitungen leben. Die Amöbe dient dem Bakterium als Schutzraum und „Trainingslager": Mechanismen, mit denen es der Amöbe entkommt, nutzt es später auch, um menschliche Immunzellen zu überlisten. Das erklärt, warum Legionellen in Rohr-Biofilmen so hartnäckig sind und sich mit einfacher Desinfektion allein kaum dauerhaft beseitigen lassen. Wer tiefer einsteigen will: Stichwort „Legionella–Amöben-Interaktion" und „intrazelluläre Replikation".

Häufige Fragen

Kann ich Legionellen schmecken oder sehen? Nein. Legionellen verändern weder Geschmack, Geruch noch Aussehen des Wassers – nachweisbar sind sie nur im Labor.

Ist Händewaschen oder Trinken gefährlich? Nach dem Kenntnisstand der Gesundheitsbehörden geht das Risiko von eingeatmeten Aerosolen aus, nicht vom Trinken oder Händewaschen.

Hilft Abkochen? Kurzfristig werden Legionellen durch Hitze abgetötet, das Grundproblem im Leitungssystem löst das aber nicht.

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Quellen

  • Robert Koch-Institut (RKI): Ratgeber Legionellose sowie Empfehlungen zur Sicherung der hygienischen Qualität von Trinkwasserinstallationen — rki.de

  • Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Legionellen in der Trinkwasserverordnung — bundesgesundheitsministerium.de

  • Trinkwasserverordnung (TrinkwV), Anlage 3 – technischer Maßnahmenwert für Legionellen

  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL): Legionellen – häufig gestellte Fragen — lgl.bayern.de

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische oder rechtsverbindliche Beratung. Ergebnisse aus einer Selbst-Probenahme sind orientierende Eigenkontrollen.

Veröffentlicht:
10. September 2026
Lesezeit:
ca. 4 Minuten
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